41 Ernst trifft den heiligen Antonius und geht zum Zahnarzt.

Ernst macht Ernst einen Taiping Hou Kui, ein köstlicher Grüntee aus den Huang Shan-Bergen in der Provinz Anhui.[1] Wie Ernst den 1. Schluck trinkt, kommt Ernst die Email von Brian de Selby in Ernsts Sinn. Ernst geht zurück zu Episode 30 und liest:

Möge der Teufel Ernst auch im neuen Jahr beistehen! Und so schicke ich Ernst mit dem Boten von Hieronymus Bosch 1 Trichter, 1 Nuss und 1 herzhaften Gruss.

Jetzt vergleicht Ernst den Teufelsboten mit den Versuchungen des heiligen Antonius, wie sie sich Matthias Grünewald vorgestellt hat.[2] Ernst sagt: «Das ist ja eine spinnige Crew.»

 

 

Ernst sieht, wie die Dämonen nach den Haaren des Einsiedlers greifen und ist froh, dass Ernst eine Glatze hat. Doch justgenauda richtet sich der heilige Antonius auf und schaut Ernst geradewegs in Ernsts Augen. Ernst lässt Ernst nicht beirren und offeriert dem Eremiten 1 Tässchen von Ernsts Taiping Hou Kui. Antonius riecht am Tee und sagt: «Ach du grüne Neune! Ein Affenkönigtee?» Ernst lächelt und nickt. Dann streicht sich der Eremit über den Bart und sagt, Ernst könne ihm Toni sagen. Ernst überlegt, Ernsts Gast ein ähnliches Angebot zu machen (Toni könnte Ernst zum Beispiel Ernstli sagen), aber das wäre eine unpassende Anbiederung und so nimmt Ernst einen 2. Schluck vom Taiping Hou Kui und lächelt wieder still vor Ernst hin. Da langt der Eremit in den Ärmel seines chromblauen Gewands, gibt Ernst 1 Magnum Temptation und ruft:

Ernstli shake eternity and lick creation![3]

Ernst ruft: «Merci! Merci, Toni!» und schleckt vergnügt am Eis. Und Toni krächzt:

Wenn an Antoni die Luft ist klar,
gibt’s bestimmt ein trocken Jahr!

Doch dann wird es plötzlich ernst, denn der Eremit zeigt auf Ernsts Mund und sagt barsch: «Aufmachen!» Ernst knirscht mit Ernsts Zähnen. Das ist das Zeichen, dass Ernsts Mund zubleibt. Doch Toni nimmt einen Zahnarztspiegel aus dem Ärmel und öffnet mühelos Ernsts Mund. Nach einer kurzen Inspektion sagt er: «Ernst has a sweet tooth. It has to be extracted—the sooner the better.» Ernst fragt: «A sweet tooth?» Und Toni: «That’s what they say in Britain for somebody who has a strong liking for sweet foods. Ernst ist ein Schleckermaul, der süsse Zahn muss gezogen werden und zwar sofort.» Ernst hört, wie Ernst Ernst erkundigt, wo Ernst um diese Zeit einen Zahnarzt finden könne. Toni sagt: «Ernst hat Glück. Es ist Blue Moon.»[4] Und dann summt er vergnügt:

Yf they say the mone is blewe
We must believe that it is true.[5]

Dann packt er Ernst am Arm und sagt: «Ernst geht zum Fluss hinunter. Dort sieht Ernst eine Tafel mit der Aufschrift DENTIST. Ernst zweigt nach links ab und kommt zu einem schmalen Flur. Ernst steigt zum Souterrain hinunter, wo der Behandlungsstuhl steht.» Ernst spürt, wie sich ein furchtbarer Dämon auf Ernsts Brust setzt, aber da sagt Toni:

Ist der süsse Zahn mal extrahiert,
läuft’s bei Ernst bald wie geschmiert!

Ernst nimmt den 3. und letzten Schluck vom Affenkönigtee und macht Ernst ohne Widerrede auf Ernsts Weg. Ernst folgt der Tafel und nach wenigen Schritten steht Ernst im Flur der Zahnarztpraxis, wo es allerdings recht dubiös und funzelig aussieht. Um sicher zu gehen, nimmt Ernst Ernsts Handy aus Ernsts Manteltasche – manweissjanie – und tatsächlich: Wie Ernst den ersten Schritt in Richtung Souterrain macht, wird Ernst von einem schrillen Pfeifton überrascht. Das kann ja heiter werden! Ernst prägt Ernst deshalb ein: «Wenn Ernst auf dem Zahnarztstuhl auch nur der leiseste Zweifel befallen sollte, gibt es nur 1: nichts wie weg: cut and run!»

 

 

Ernst schaut Ernst den Film noch einmal in aller Ruhe an. Eins ist klar: In diesem Cabinet hätte sich wohl niemand freiwillig einen Zahn ziehen lassen. Ernst hat also zu Recht die Flucht ergriffen. Und doch: Wäre das die Gelegenheit gewesen, den sweet tooth für immer los zu werden? Ernst setzt Ernst auf den rabenschwarzen Stuhl und chrrrrr! der Zahn ist raus? Nein! So geht das nicht! Ernst sagt: «Kommt Zeit, kommt Rat», und schenkt Ernst ein letztes Tässchen vom feinen Taiping Hou Kui ein.


[1] Um den Tee ranken sich zahlreiche Legenden. Ein Affenbaby verläuft sich, sein Vater macht sich auf die Suche, kann es jedoch nicht finden und stirbt an Erschöpfung. Ein alter Mann begräbt den Affen und pflanzt Tee und Blumen an. Als er ein Jahr später wieder zum Grab geht, ist das Tal von Teebäumen bedeckt und aus einem Berg hört er die Stimme des Affenvaters, der sich bei ihm bedankt. Seither heisst die Gegend das Affental (Hou Ken) und der Tee Affenkönig (Hou Kui).

[2] Matthias Grünewald, Isenheimer Altar, Colmar, Detail

[3] James Joyce, finnegans wake, 273. Ernstli schüttle die Ewigkeit und schlecke an der Schöpfung! Übersetzung Ernst.

[4] Blue Moon: das seltene Ereignis, wenn der Vollmond innerhalb desselben Monats ein zweites Mal erscheint. Das Gespräch mit dem heiligen Antonius muss also allem Anschein nach am 31. Januar 2018 stattgefunden haben.

[5] Wenn man sagt, der Mond sei blau, so muss man’s glauben, ganz genau. Rede Me and Be Nott Wrothe [Lies mich und sei nicht wütend], William Roy and Jerome Barlow (1528), Übersetzung Ernst