131 Wie Ernst den zweiten Streifzug dokumentiert.

Weshalb Ernst immer wieder zur Gjöll hinunterschlendert? Ernst weiss nur 1: Dort ist Ernsts Geheimnis. Ein Geheimnis, das Ernst eines schönen Tages lösen wird? Nein + nochmals nein! Denn das echte Geheimnis kann nicht (wie ein Rätsel) gelöst werden. Es kann lediglich? umkreist? umgangen? in einer eigenthümlichen Zufälligkeit erfahren werden.

Brume dormante radieuse.
Schwade strahlenden Nebels.[1]

Wie Ernst jetzt am Rand des leise tosenden Wellenschlags vor Ernst hindöst, sieht Ernst am gegenüberliegenden Ufer eine Eibe, die Ernst sofort an die tausendjährige Eibe erinnert, zu der Ernst einst gepilgert ist.[2] Und genau da hörte Ernst ja auch zum ersten Mal das Flirren von Hofvarpnir, auf dem Gná vorbey=schwebte!

Hvat þar flýgr
Bvat þar ferr
Eða at lopti líðr?[3]

Ernst haucht ‹hvat› und ‹þar› und ‹flýgr› und beschliesst, hier einen zweiten Film zu drehen. ‹Film› ist allerdings nicht die richtige Bezeichnung, denn Ernst filmt nicht, sondern macht (wie beim ersten Streifzug) nur einige Fotos, die Ernst im Nachhinein animiert. Deshalb nennt Ernst dieses Genre ‹Anime›.[4]

Zurück in Móðguðrs Höhle färbt Ernst Ernsts Werk in ein leicht unterkühltes Metallgrün (die Farbe der Strümpfe der Zwerge) und gibt ihm den Titel «Gras gab es nicht». Ernst widmet es dem Zwerg Austri alias Haste.[5]

 

 


[1] Samuel Beckett, Mal vu mal dit, Schlecht gesehen schlecht gesagt, aus dem Französischen von Elmar Tophoven

[2] Episode 29

[3] «Was fliegt dort? / Was bewegt sich dort? / Was schwebt durch die Luft?» Da antwortet Gná: «Ich fliege nicht, / doch bewege ich mich / und schwebe durch die Luft / auf Hófvarpnir.» Snorri Sturluson, Gylfaginning, Kap. 35, aus dem Altisländischen übersetzt von Gottfried Lorenz

[4] In Japan heisst der Zeichentrickfilm ‹animēshon›, das vom engl. ‹anime› stammt. Ernst gefällt dieser Terminus, weil sich in ihm das lat. ‹anima› verbirgt, das bekanntlich auch ‹Lufthauch›, ‹Atem› und ‹Seele› heisst.

[5] Episode 128