111 Wie sich Gná um Ernst Sorgen macht.

Dýr community
Da ich weiss, dass Ernst für den 7. November eine neue Episode in Aussicht gestellt hat, bin ich gestern mit Hofvarpnir zum Haus der kahlen Sängerin geflogen. Am Nachmittag schaue ich nochmals nach – niemand, nichts, enginn. Aber was noch schlimmer ist: Es scheint, dass Ernst schon seit mehreren Tagen weg ist. Ich reite über die Nebelbank und schaue von dort auf den Abhang, wo ich Ernst zum ersten Mal sah, ich fliege zum Niðafjöll, dem dunklen Gebirge, das (auf dem ovalen Gemälde etwas verschwommen, aber trotzdem gut sichtbar) aus der nördlichen Unterwelt emporragt, wo der Drache Niðhöggr haust und weil mir Ernsts Begegnung mit dem Drachen in der Klosterbibliothek bekannt ist, befürchte ich Schlimmes. Aber auch da ­– zum Glück ­– keine Spur! Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als Odin aufzusuchen, der hoffentlich seine beiden Raben ausschickt.

Zwei Raben sitzen auf Odins Schultern,
sie sagen ihm alles ins Ohr,
was sie sehen und hören.
Sie heissen Hugin und Munin.
Bei Tagesanbruch entsendet er sie,
um über die ganze Welt zu fliegen,
und zur Frühstückszeit kehren sie zurück.
Von ihnen erfährt er viele Neuigkeiten.[1]

Ich werde mich spätestens am kommenden Montag wieder melden und bitte die community, mir die Daumen zu drücken.

Hjartanlega – herzlich
Gná


[1] Snorri Sturluson, Gylfaginning, Kap. 38, aus dem Altisländischen übersetzt von Gottfried Lorenz