104 Das erste Gespräch mit Gná: Flügelpferde.

Ich habe ein kleines Pferdchen,
das bringt mich überall hin.[1]

Ernst: Noch etwas Tee?

Gná: Gerne.

Ernst: Was ich Dich schon lange fragen wollte.

Gná: Ja?

Ernst: Was bedeutet Hofvarpnir?

Gná: Hof … Huof … Huf …

Ernst: Hof … Huof … Huf …

Gná: Und wenn Du die Lippen wie bei Havanna halb geöffnet lässt?

Ernst: Ja?

Gná: Ernst, was ist mit Dir los? Streng Dich an!

Ernst: Der Hufwerfende?

Gná: [seufzt, nippt am Tee, lächelt?] Die Mutter meines Hufwerfers heisst übrigens Garðrofa und sein Vater ist Hamskerpir: die Zaunbrecherin und der Magere. [nippt] Und Ernst?

Ernst: Was und Ernst?

Gná: Was bedeutet Ernst?

Ernst: Ernst kommt von Ernust und bedeutet der zum Kampf Entschlossene.

Gná: Und? trifft das auf Dich zu?

Ernst: Leider nein.

Gná: Hast Du schon mal an einen Namenswechsel gedacht?

Ernst: Nein, nicht wirklich.

Gná: Und unwirklich?

Ernst: Auch nicht.

Gná: [Pause] Pegasus oder Hrimfaxi oder der Hippogryph (auf dem Duke Astolfo angeblich zum Mond geflogen ist) oder Odins Liebling, der achtbeinige Sleipnir – was sind sie im Vergleich zu Hofvarpnir? Wer schwebt mühelos nach Niflheim? Wer galoppiert eleganter übers Wasser? Wer dreht über der Nebelbank – ohne mit der Wimper zu zucken – ein volles Gros Loopings? Und wer kann leuchtende Löcher in die Luft fliegen? Ernst, Du hast es selbst gesehen: Es ist Hofvarpnir, [zärtlich] Hoofy, mein Luftibus, das Hofnarrtier!

Ernst: Und Gná?

Aber justgenauda wiehert Hofvarpnir. Gná pustet Ernst eine Kusshand zu und ruft: «A presto!» Ernst sieht, wie sie über der Nebelbank noch einen Looping dreht, ihre Zöpfe fliegen hin und her, dann ist sie ausser Sichtweite.


[1] Nordlicht, Email, September 2018